April 2010

In dieser Woche ist unsere Nachbarin gestorben, eine alt Dame von 80 Jahren. Sie war eine sehr stille und zurückgezogene Frau, die laut anderen Nachbarn kein leichtes Leben hatte. Richtig kennen gelernt haben wir sie leider nie. Aber in den letzten 1 1/2 Jahren war sie ein wenig aufgetaut. Es war dann doch so manches kleine Gespräch über den Gartenzaun zustande gekommen. Noch am Montag war sie, wie eigentlich fast jeden Tag in der wärmeren Jahreszeit, in ihrem Garten zugange gewesen, hatte umgegraben und ihre Blumen und Gemüsepflanzen gehegt und gepflegt. Ihr Garten war ein Bilderbuchgarten, trotz ihres hohen Alters. Und ein paar Stunden später war sie gestorben. Als am gesamten nächsten Tag ihre ganze Familie im Hof war und ein reges Treiben herrschte wunderten wir uns ein bißchen. Das geschah eigentlich nur zum Kartoffelnsetzten und –ernten, daß sie alle bei der Oma waren. Und dafür war es 2 Wochen zu früh... Bis wir dann abends den Anlaß hörten und sehr betroffen waren. Mir, Anja, kamen viele Gedanken: Wo ist sie nun? Hat sie Jesus gekannt? Wir waren ihre Nachbarn und hätten uns doch mehr um sie bemühen sollen. Und jetzt ist es zu spät.
Noch nie haben wir eine Beerdigung und alle damit verbundenen Zeremonien so nah erlebt, so quasi vor unserem Fenster, das in ihren Innenhof zeigt. Dort fand dann die übliche Zeremonie mit brennenden Kerzen sowie Gesängen und Ansprachen des orthodoxen Priesters vor dem offenen Sarg statt, ebenso das spätere Leichenmahl nach der Beerdigung, das mit viel Alkohol einhergeht.